Nr. 22 vom 25.5.2018

Nr. 22 vom 25.5.2018

Standpunkt

Die für jedermann offene
deutsche Bundesgrenze

Die Vorgänge in der Außenstelle Bremen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, wegen derer BAMF-Präsidentin Jutta Cordt unter Druck steht, mögen dazu geführt haben, dass mindestens 1.200 Asylbewerber zu Unrecht einen Schutzstatus erhielten. Dieser Umstand ist fraglos nicht in Ordnung und die Verantwortlichen müssen belangt werden. Aber er darf nicht vom eigentlichen Skandal, der seit bald drei Jahren trotz „Grenzkontrollen“ für jedermann offenen Bundesgrenze, ablenken.

Wenn Bundesinnenminister Seehofer nun sagt, beim BAMF müsse „eine Menge geschehen“, ist das eine dem politischen Berlin wohl recht willkommene Verengung der Perspektive. In Anbetracht der Abschiebemisere lässt sich nämlich sagen, dass die meisten der betreffenden 1.200 Personen, deren Asylantrag in den Jahren 2013 bis 2016 zu Unrecht Erfolg hatte, auch dann in Deutschland geblieben wären, wenn ihr Ersuchen abgelehnt worden wäre. Die Entscheidung fällt schließlich in aller Regel, wie diese Zeitung von Anfang an betonte, an der Grenze.

Die entscheidende Weichenstellung

Dass es bei mehr als 1,35 Millionen Asylgesuchen allein in den Jahren 2015 bis 2017 und nach wie vor mehr als 10.000 monatlich neu registrierten Asylmigranten zu vielen falschen Einzelentscheidungen – teils aus Überforderung, teils aus Fahrlässigkeit, manchmal auch aus Vorsatz – kommt, liegt in der Natur der Sache. Das ist natürlich alles andere als eine Entschuldigung und es ist richtig, wenn die Staatsanwälte dem Verdacht, etwa der Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt, gegen Mitarbeiter der Behörde nachgeht. Und auch der von FDP und AfD im Deutschen Bundestag geforderte Untersuchungsausschuss zur BAMF-Affäre ist notwendig.

Aber dabei dürfen die großen Linien nicht aus dem Blick geraten. Eine weit beträchtlichere Dimension hat es ja bereits, dass die Bundesregierung auf Willkommenskundgaben setzte, statt dafür zu sorgen, dass für möglichst alle über sichere Drittstaaten ins Bundesgebiet eingereisten Asylmigranten (bereits nach dem ersten Nachsuchen um Asyl in Deutschland) die dreimonatige Frist für die an die eigentlich zuständigen Staaten zu richtenden Überstellungsgesuche gewahrt wird. Mit der Folge, dass die Bundesrepublik durch Verfristung für Abertausende Asylverfahren zuständig wurde.

Die Weichenstellung aller Weichenstellungen aber erfolgte bei der Wiedereinführung von „Grenzkontrollen“ am 13. September 2015 – und ist bis heute nicht revidiert. Bundespolizeichef Dr. iur. Dieter Romann befand sich im Einklang mit der Rechtslage, als er damals in seinen Entwurf des Einsatzbefehls für die Bundespolizei die Anweisung zur Einreiseverweigerung aufnahm. Doch konnten er und führende Beamte des Bundesinnenministeriums sich gegen die Merkel-Regierung nicht durchsetzen. Und so muss die Bundespolizei bis heute jeden ins Land lassen, der „Interesse an Schutz oder Asyl in der Bundesrepublik“ zeigt.

Die Jura-Professoren Alexander Peukert, Christian Hillgruber, Ulrich Foerste und Holm Putzke gehören zu den wenigen, die sich der Mühe unterzogen haben, die Dublin-III-Verordnung wirklich zu lesen. Sie machten in ihrem Beitrag „Einreisen lassen oder zurückweisen?“ (Zeitschrift für Ausländerrecht und Ausländerpolitik 2016, S. 131) auf eine bis dahin meist übersehene Vorschrift aufmerksam: „Nach Art. 20 IV UAbs. 1 S. 1 Dublin III-VO obliegt nämlich die Durchführung des Zuständigkeitsprüfungsverfahrens und eines sich hieran gegebenenfalls anschließenden materiellen Asylverfahrens dem Staat, aus dem die Einreise erfolgen soll. Die Vorschrift lautet: ‚Stellt ein Antragsteller bei den zuständigen Behörden eines Mitgliedstaats einen Antrag auf internationalen Schutz, während er sich im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats aufhält, obliegt die Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats dem Mitgliedstaat, in dessen Hoheitsgebiet sich der Antragsteller aufhält.‘“ Deswegen sei im Fall europarechtskonformer Durchführung von Binnengrenzkontrollen um Schutz nachsuchenden Staatsangehörigen von Nicht-EU-Staaten an der Grenze zur Bundesrepublik Deutschland gemäß § 18 Absatz 2 Nr. 1 AsylG die Einreise zu verweigern.

Was sagt der Dublin-III-Kommentar?

Obwohl es sich um eine Lebensfrage des von ihnen vertretenen Volkes handelt (und bei der offenen deutschen Grenze zudem um einen „Pull-Faktor“, der viele Menschen zum Verlassen ihrer Heimat veranlasst und einen Teil von ihnen ins Unglück reißt), haben sich die meisten Abgeordneten der „Großen Koalition“ – auch der Juristen unter ihnen – mit dem Artikel der vier Professoren nicht befasst. Macht man sie darauf aufmerksam, schließt man sich dort bereitwilligst der (insbesondere von dem Migrationsrechtler Daniel Thym) vertretenen Gegenansicht an, statt dem Thema auf den Grund zu gehen.

Natürlich irren nach Meinung der Großkoalitionäre auch die Kommentatoren der Dublin-III-Verordnung, Dr. Christian Filzwieser und Mag. Andrea Sprung, die schon 2014 festhielten: „Wenn eine Antragstellung an der Grenze zweier Mitgliedstaaten am Grenzüberwachungsposten vor der Einreise in den zweiten erfolgt, ist der erste Mitgliedstaat für das Zuständigkeitsprüfungsverfahren zuständig und kann der Fremde vom zweiten Mitgliedstaat an der Einreise gehindert werden.“ (Dublin III-Verordnung, Das Europäische Asylzuständigkeitssystem, Artikel 20 K12.) Filzwieser ist Richter des österreichischen Bundesverwaltungsgerichts, Fachbereich Fremdenwesen und Asyl. Sprung war juristische Mitarbeiterin des österreichischen Asylgerichtshofes, Schwerpunkt Dublin-Verfahren. Der Kommentar der beiden wird auch in der Rechtsprechung der Verwaltungsgerichte der Bundesrepublik laufend zitiert.

Vor allem was die für jedermann offene deutsche Bundesgrenze angeht, müsste also „eine Menge geschehen“. Aber in diesem Punkt, dem entscheidenden, ist Merkel eisern.

Ulrich Wenck

Einige der aktuellen Themen in der Ausgabe vom 25. Mai 2018

ITALIEN WIRD „POPULISTISCH“

Italien bekommt eine neue Regierung, die – wie die vorangegangenen Verhandlungen – von reichenweitenstarken Mainstream-Medien torpediert wird. Die beiden Koalitionspartner, Lega und Fünf-Sterne-Bewegung, eint der Wille, Italien aus der Untertänigkeit gegenüber globalistischen Lobbys zu führen.

ENTFREMDUNG UND IGNORANZ

Sahra Wagenknecht, Fraktionschefin der Linken im Bundestag, hadert mit dogmatischen Positionen ihrer Partei in der Zuwanderungspolitik. Diese sind ein wesentlicher Grund, weshalb die AfD der Linkspartei im Osten der Bundesrepublik mittlerweile den Rang abgelaufen hat.

„TRUMP SEI DANK“

„Israel hat nur einen König, und sein Name ist Donald Trump“, so beschrieb ein Kommentar in der israelischen Tageszeitung „Haaretz“ die Apotheose des US-Präsidenten. Doch das messianische Licht hellt die Schattenseiten der Entscheidung, die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen, nicht auf. Washingtons außenpolitische Schritte dienen weder den Interessen der USA oder Israels noch dem Frieden.

FREIHEITLICHER VORSITZ

Die nach den Nationalratswahlen geänderten Machtverhältnisse in Österreich wirken sich auch auf den ORF-Stiftungsrates aus. Mit Ex-Vizekanzler Norbert Steger führt nun erstmals ein FPÖ-Mann die Aufsicht über den ORF.

GERECHT UND UNPARTEIISCH?

Der Bundestagspräsident „wahrt die Würde und die Rechte des Bundestages, fördert seine Arbeiten, leitet die Verhandlungen gerecht und unparteiisch und wahrt die Ordnung im Hause“. Gelingt Wolfgang Schäuble das?

AUTO DER ZUKUNFT

Die Frage, wie Autos künftig beschaffen sein müssen, um die Kollateralschäden des zunehmenden Individualverkehrs einzuschränken, beschäftigt Verbraucher und Unternehmen. Technische Innovationen jedenfalls sind nicht zwangsläufig ein Garant für eine bessere Umweltverträglichkeit.

ALS DER DINO GING

Kaum eine andere Vereinsmannschaft prägte den deutschen Fußball in den vergangenen einhundert Jahren wie der Hamburger SV. In der kommenden Saison wird die Bundesliga-Tabelle erstmals nicht von der berühmten HSV-Raute geziert. Der Weg in den Abstieg.

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Nr. 21 vom 18.5.2018

Nr. 21 vom 18.5.2018

Standpunkt

Verbundenheit, die schützt

„Littering“: Der englische Begriff geht so harmlos leicht von den Lippen. Und doch verstecken sich dahinter Berge von Müll – Einweggrills, Verpackungsmaterial jeder Art, Zigarettenkippen, Becher für den Kaffee „to go“, eben alles, was in Parks, am Straßenrand oder auf Bürgersteigen ohne große Gewissensbisse nicht ordnungsgemäß entsorgt wird. „Wegwerfen“ ist die deutsche Übersetzung.

Bereits seit zehn Jahren erforschen Psychologen der Berliner Humboldt-Universität unter dem Schlagwort „Littering“ dieses Vermüllungsphänomen, das nicht nur in Metropolen auftaucht. Jüngst schlossen die Wissenschaftler die vierte von mehreren Stadtreinigungsunternehmen, darunter Berlin, Frankfurt/Main, Stuttgart, München, Bern und Wien, in Auftrag gegebene Studie zu „Wahrnehmung von Sauberkeit und Littering im öffentlichen Raum“ ab. Ziel des Projekts war es, Unterschiede zwischen einer ersten Studie von 2005/2006 herauszuarbeiten und den Kommunen Möglichkeiten vorzuschlagen, des Müllproblems Herr zu werden.

Zu den von den Berliner Forschern „favorisierten Anti-Littering-Maßnahmen“ gehören ganz praktische Dinge wie die häufige Leerung und geschickte Platzierung von Abfalleimern, aber auch die Sensibilisierung besonders gedankenloser Wegwerfer (vor allem Jugendliche und junge Erwachsene sind hier die Zielgruppe) sowie tiefgründigere Anregungen, nämlich Nutzung und Stärkung der „Verbundenheit zum (Wohn)ort“. In der „Süddeutschen Zeitung“ formulierte es am 30. April eine Reportage zum Thema so: „Wer sich mit seinem eigenen Wohnort weniger verbunden fühlt, schert sich auch nicht weiter um ihn.“

Andersherum gesagt: Wer sich seinem Wohnort verbunden fühlt, kümmert sich. Die drohende Frage an auf frischer Tat ertappte „Litterer“, ob sie zuhause den Müll auch einfach auf den Boden werfen würden, bezieht ihre Hoffnung auf pädagogischen Erfolg schließlich aus ebendieser Gewissheit: dass man sein eigenes Heim eher sauber halten, also schützen möchte als einen von Anonymität geprägten und damit der sozialen Kontrolle enthobenen Ort, für den man sich nicht verantwortlich fühlt.

Die Liebe zum Ort

Diese einleuchtende Erkenntnis lässt sich über den urbanen Kontext des „Litterings“ hinaus auf den Umweltschutz allgemein ausdehnen und gibt den Blick auf die bedeutendste Triebfeder für ein umweltbewusstes Verhalten frei: eine positive Identifikation mit der eigenen Lebensumgebung. Je mehr man sich mit ihr verbunden fühlt, je mehr man sie als Heimat begreift, desto größer ist die Bereitschaft, sie vor schädlichen Einwirkungen zu bewahren, desto eher ist man bereit, sein persönliches Handeln entsprechend anzupassen.

In der Umweltpsychologie hat sich der Begriff „Place attachment“ für die Bindung zwischen einer Person und einem Ort durchgesetzt. Darunter versteht man ein mehrdimensionales Konzept, das auch das individuelle Verhalten einschließt. Wichtig für diesen Ansatz ist es, dass Orte vor allem durch persönliche Erfahrung ihre Bedeutung für das Individuum entfalten. Es wird dabei davon ausgegangen, dass auch kollektive Erlebnisse und Erinnerungen zur Intensität der Bindung beitragen, „Place attachment“ also eine religiöse, historische und andere kulturelle Bedeutungen hat. Die Psychologen Leila Scannell und Robert Gifford zählen in einem Essay zu den Vorteilen dieser Ortsverbundenheit die Fähigkeit, Erinnerungen aufzubauen, indem sich der Einzelne über den gemeinsamen Ort mit der Vergangenheit seiner Vorfahren verbinden kann. Als Gewinn dieses Zugehörigkeitsgefühls werten sie auch „persönliches Wachstum“, da positive Emotionen als Ergebnis einer gesunden Beziehung der Person zum Ort Sicherheit und Freiheit fühlen lassen. In einem anderen Aufsatz aus dem Jahr 2010 hielt das Forscherduo fest, dass der Wunsch, die ökologischen oder auch architektonischen Besonderheiten eines Ortes zu erhalten, in direktem Zusammenhang mit der Ausprägung der Ortsbindung steht.

Heimat

Dazu fügt sich, was der britische Philosoph Roger Scruton in seinem Buch „Grüne Philosophie. Ein konservativer Denkansatz“ (auf Deutsch 2013 erschienen) festhielt – dass nämlich vor allem ein starkes „Heimatgefühl“ die Basis für einen effektiven Natur- und Umweltschutz ist. „Das Zugehörigkeitsgefühl zu einem bestimmten Territorium und der Wunsch, dieses vor Zerstörung und Verschwendung zu schützen, stellen machtvolle Triebkräfte dar, auf die die Politik regelmäßig zurückgreift, wenn es heißt, die Gürtel müssten enger geschnallt und Opfer gebracht werden. Denn diese Beweggründe haben eine starke Wurzel, nämlich die Liebe jedes Menschen zu seiner Heimat.“

Amelie Winther

Einige der aktuellen Themen in der Ausgabe vom 18. Mai 2018

GRÜNES LICHT FÜR DEN FLÄCHENBRAND?

Die einseitige Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch Washington und die Eröffnung der amerikanischen Botschaft in Jerusalem haben eine Situation entstehen lassen, die fürchterliche Gefahren der politischen, militärischen und wirtschaftlichen Eskalation birgt.

UMWELTSCHUTZ UND HEIMAT

Warum Umweltpolitik keine Aussicht auf Erfolg hat, wenn der Migration keine Schranken auferlegt werden.

KRIEGSSPIELE IM DODEKANES

Nicht nur wegen Zypern sind die Beziehungen zwischen Ankara und Athen angespannt. Es geht auch um Besitzansprüche in der Ostägäis, die im schlimmsten Fall zu einem Krieg zwischen der Türkei und Griechenland führen könnten.

WDR MIT PEINLICHER AFFÄRE

Die unappetitliche Affäre und die entsprechende Debatte um sexuelle Belästigungen beim WDR erschüttern den gebührenfinanzierten Sender. Gleichzeitig verengt sich aber der Fokus – und von anderen Arten der Frauenfeindlichkeit wird abgelenkt.

ZWISCHEN DEPRESSION
UND HOFFNUNG

Billigkonkurrenz aus China hat die Solarzellenproduktion in der Bundesrepublik Deutschland zerstört. Warum dennoch Teile der Photovoltaikbranche wieder zuversichtlich in die Zukunft sehen. Über die Hintergründe ansteigender Umsätze, neuer Arbeitsplätze und die Lage im „Solar Valley“ …

UNGEREIMTHEITEN

Mitte April erstach ein Asylmigrant aus dem Niger in Hamburg seine kleine Tochter und deren Mutter. Der Fall rüttelte bundesweit auf. Doch ist die Öffentlichkeit hinreichend über die Tat informiert worden?

MARX, TRIER, DIE SPD

Seit dem Godesberger Programm von 1959 hatte sich die SPD von Marx zunehmend distanziert – zuletzt mit dem Ruhenlassen der Mitgliedschaft in der auf Karl Marx zurückgehenden „Sozialistischen Internationale“. Nun beteiligte sie sich an der Huldigung des umstrittenen Sohnes der Moselstadt.

FAIRNESS UND REALITÄTSSINN

Am 8. Mai fand im Wiener Bundeskanzleramt ein „Festakt zum Gedenken an die Befreiung vom Nationalsozialismus und an die Beendigung des Zweiten Weltkrieges in Europa“ statt. Dichter und Sänger Arik Brauer hielt dort vor Bundeskanzler und Bundespräsident eine eindrucksvolle Rede.

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Nr. 20 vom 11.5.2018

Nr. 20 vom 11.5.2018

Standpunkt

In der Tradition von 1832

„Schwarz-Rot-Gold war auf diesem Feste kein leeres Schaustück. Man hatte die Farben als Zeichen gemeinsamen Nationalsinns angelegt.“ Was der Leipziger Jura-Professor Ernst Jaeger (1869–1944) über das Hambacher Fest von 1832 schrieb, galt auch auf dem „Neuen Hambacher Fest“ am 5. Mai 2018. Den weit über 1.000 Teilnehmer sind die Nationalfarben mehr als Folklore und Dekoration, nämlich ein Bekenntnis zu Einigkeit und Recht und Freiheit.

Für Initiator und Veranstalter Prof. Max Otte sollte das „Neue Hambacher Fest“ dem historischen Beispiel folgend ein „Höhepunkt bürgerlicher Opposition“ werden. In einem Brief vom 27. April an seinen CDU-Parteifreund, MdB Heribert Hirte, hatte der Ökonom erklärt: „Das Hambacher Fest stand für einen aufgeklärten, weltoffenen Patriotismus und eine bürgerliche demokratische Gesellschaft. Beides ist in höchster Gefahr, weil große Teile unserer Partei es zugelassen haben, dass unsere Vorsitzende und Bundeskanzlerin die deutsche Staatlichkeit bewusst erodieren lässt und zum Teil aktiv abschafft und zweitens droht, dass die bürgerliche Demokratie durch eine Parteienfunktionärsherrschaft abgelöst wird.“

Vera Lengsfeld betonte dann in ihrer Rede: „Wir sind hier, weil wir unser Land, unsere emanzipatorischen Errungenschaften, den Rechtsstaat und das Grundgesetz nicht kampflos der Demontage überlassen wollen.“ Thilo Sarrazin freute sich, dass er nicht allein sei „mit meiner Position“. Leif-Erik Holm, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der AfD-Bundestagsfraktion, war gekommen, „um ein Zeichen gegen Obrigkeitswillkür, für die Freiheit und für unsere Souveränität zu setzen“.

Folgt man den O-Tönen, ging es am 5. Mai 2018 nicht darum, das historische „Hambacher Fest“ zu „okkupieren“ oder zu „kapern“ oder gar die „Geschichte umzuschreiben“, sondern darum, die Errungenschaften des Vormärz zu verteidigen, um die Zukunft aktiv gestalten zu können. Wer heute aus freiheitlicher, bürgerlicher, patriotischer und regierungskritischer Motivation zur Maxburg, dem Hambacher Schloss, zieht, darf sich in die Tradition von 1832 stellen.

Die im September 2015 gleichzeitig mit der Wiedereinführung von Grenzkontrollen verfügte Außeranwendungsetzung der Bestimmung über die Verweigerung der Einreise aus sicheren Drittstaaten (§ 18 Abs. 2 Nr. 1 AsylG) und die Einwanderungswelle seither haben die politischen Parameter in ganz Europa spürbar verändert. Hierdurch wurde nicht nur das Projekt der europäischen Integration in seine schlimmste Krise gestürzt, sondern auch für eine Spaltung der deutschen Gesellschaft gesorgt.

Aber gleichzeitig entwickelte die geistige Auseinandersetzung mit den Propagandisten einer „multiethnischen“ bzw. „multikulturellen“ Umgestaltung des Landes eine außerordentliche Dynamik. Bundesweit werden Initiativen, Demonstrationen und Vorträge veranstaltet, immer öfter finden sich Intellektuelle und auch Vertreter etablierter Parteien, die dem die Grundlagen der Verfassung gefährdenden Kurs der Bundesregierung nicht länger schweigend zusehen wollen. In diesem Zusammenhang steht auch das „Neue Hambacher Fest 2018“ an jenem Ort, an dem 1832 patriotische Demokraten hinter ihren Wunsch nach Freiheit, Demokratie und nationaler Einheit ein Ausrufezeichen gesetzt hatten.

Arne Neumann

Einige der aktuellen Themen in der Ausgabe vom 11. Mai 2018

KONSEQUENZEN AUS ELLWANGEN?

Rückzug vor dem Zugriff: Bis zu 150 Asylbewerber hinderten in der Landesaufnahmeeinrichtung im baden-württembergischen Ellwangen Polizisten daran, ihrer Arbeit nachzugehen und die Überstellung eines Togolesen nach Italien vorzubereiten. Welche Folgen hat es, wenn die Polizei der Gewalt weicht?

KIRCHENVERTRETER GEGEN
DAS KREUZ?

In Bayern begrüßen 56 Prozent der von Meinungsforschern Befragten den „Kreuz-Erlass“ von Ministerpräsident Markus Söder. Dass ausgerechnet Bischöfe und Priester dagegen sind, betrübt Erzbischof Peter Zurbriggen, Nuntius in Wien.

NEUE SORGEN BEI OPEL

Tiefe Verunsicherung, Angst um Arbeitsplätze und Furcht vor Werksschließungen begleiten Opel-Mitarbeiter seit geraumer Zeit. Ein Jahr nach der Übernahme durch die französische „Groupe PSA“ spitzt sich die Lage nun wieder zu: Was wird aus den deutschen Produktionsstandorten?

RISIKEN UND NEBENWIRKUNGEN

Die Digitalisierung ist in alle Bereiche des täglichen Lebens vorgedrungen. Das schafft natürlich Erleichterungen, birgt aber auch Gefahren. Dazu der Kommentar „Quer gedacht“.

DER TRAUM DER EINHEIT LEBT

Nordkorea und Südkorea wollen eine neue Ära einleiten. Die Begegnung des nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong-un und des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in am 27. April in der Grenzsiedlung Panmunjom war historisch. Die Rolle Washingtons.

GUT VERTRETEN

Aus einer von Focus Online veranlassten Meinungsumfrage des Civey-Instituts geht hervor, dass mehr als jeder vierte Bürger in der Bundesrepublik Deutschland mit der Arbeit der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag zufrieden ist. Letztes Jahr 12,6 Prozent Wähler – nun 27,3 Prozent Zufriedene.

BRAUCHT DIE BAYERNHYMNE
EINE DRITTE STROPHE?

Das Hin und Her um das Bayernlied war mit der 1980 von Ministerpräsident Franz Josef Strauß proklamierten Fassung, die sich an die ersten beiden Strophen des Ursprungstexts des Dichters Michael Öchsner (1816 –1893) hält, zu einem tragfähigen, historisch richtigen Abschluss gekommen. Zu den Bestrebungen, die Landeshymne um eine dritte Strophe zu erweitern.

90 JAHRE „RHEINGOLD“

Am 15. Mai 1928 fuhr der „Rheingold“ zum ersten Mal. Mit einem bis dahin nicht gekannten Maß an Komfort war er der schnellste Zug von der Nordsee bis zu den Alpen, von Holland in die Schweiz. Die damit begonnene Geschichte endete erst 1987.

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