Nr. 42 vom 12.10.2018

Nr. 42 vom 12.10.2018

Standpunkt

Wenn Mainstream-Medien
Wahlkampf machen

Unmittelbar vor der Bayernwahl und kurz vor der hessischen Landtagswahl verdichtete sich die Bekämpfung der AfD (und in geringerem Maße auch die der CSU) in maßgeblichen bundesdeutschen Medien zu einem schier undurchdringlich scheinenden Sperrfeuer.

Respekt?

Die „Süddeutsche Zeitung“ nahm sich heraus, die Mitglieder der am 7. Oktober gegründeten Vereinigung „Juden in der AfD“ als „Alibi-Juden“ zu bezeichnen. Das ist ungefähr so niveauvoll wie zu Recht verurteilte Ausdrücke vom Schlage „Quotenmohr“ – und das auf einem Gebiet, auf dem derartige Herabwürdigungen schon aus geschichtlichen Gründen keinen Platz haben dürfen. Es blieb Beatrix von Storch überlassen klarzustellen, dass auch Juden in der AfD eine „natürliche politische Heimat“ haben.

Respekt für die Erwägungen der Mitglieder der neuen Vereinigung wurde in der veröffentlichten Meinung nicht bekundet, dafür aber kamen viele Kraftausdrücke zum Einsatz, von denen „Heuchelei“ noch der mildeste ist. Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Stephan Harbarth, war sich nicht zu schade, die falsche Behauptung aufzuwärmen, die AfD, genauer gesagt ihr Vorsitzender Alexander Gauland, habe „den Holocaust einen ‚Vogelschiss‘ in der deutschen Geschichte“ genannt. Dabei bezog sich Gaulands mehr als vier Monate alte Äußerung unzweideutig auf die Hitlerbewegung – was sich schlecht als Verherrlichung interpretieren lässt. Aber es kommt eben weiterhin mehr darauf an, wer etwas sagt, als darauf, was einer sagt.

Logik?

Der „Spiegel“ arbeitet sich unterdessen an „Gaulands Jagdhundkrawattenweltsicht“ ab, um zu belegen: „Warum die Anti-Internationalisten gefährlich sind“. Der „destruktive Kern“ dessen, „was die Gaulands, Orbáns, Trumps dieser Welt womöglich wirklich glauben“, sei, dass sich die „immer weitergehende Integration der Welt zurückdrehen lässt“. Das gewichtigste Argument gegen eine solche Position sei der menschengemachte Klimawandel, behauptet der Kolumnist – ganz verkennend, dass diese in der Tat mehr als ernste Herausforderung gerade ein Ergebnis der in seinem Artikel gepriesenen Globalisierung und globalen Wirtschaft ist, Resultat der Doktrin weltweiter Verfügbarkeit und Erreichbarkeit. Zu dem Versuch, dem globalistischen Machbarkeitswahn regionale und nationale Strukturen entgegenzusetzen, die darauf verzichten, Menschen und Güter nach Belieben über den Globus zu transferieren, gibt es da doch logisch betrachtet keine ernsthaften Alternativen.

Differenzierung?

„Die Zeit“ macht sich unterdessen Sorgen darüber, dass der Linken-Bürgermeister von Frankfurt an der Oder auf den gewaltsamen Angriff auf den Club „Frosch“ mit der Idee reagierte, die – syrischen – Täter auszuweisen. Dies ist in den Augen der Hamburger Wochenzeitung ein „Tabubruch“, das „Bild von der weltoffenen Oststadt“ bekomme Risse. Aber, so die tröstliche Botschaft am Ende, es sei unwahrscheinlich geworden, „dass die AfD und die Nazis aus Frankfurt eines Tages den tristen Ort machen, der es einmal war“. Denn – Hoffnung keimt auf! – jede halbe Stunde kämen mit dem Regionalexpress aus Berlin „ein paar Dutzend neue Polen, ausländische Studentinnen, Geflüchtete, Neu-Frankfurter“ in die Stadt.

Was für ein schlichtes Weltbild: Auf der einen Seite die AfD, in einen Topf geworfen mit einer längst untergegangenen Weltanschauung ganz anderen Zuschnitts, auf der anderen Seite das Gute, das von außen kommt. In ihrer Entfesselung merken manche Mainstream-Journalisten gar nicht, wie sie Tabus, die aus gutem Grund hochgehalten worden sind, verletzen, sei es, indem sie Menschen wegen ihrer politischen Überzeugungen in Verbindung mit ihrem Jüdischsein herabwürdigen oder indem sie den Nationalsozialismus verharmlosen, ihn wie in einer Endlosschleife mit einer demokratischen Partei vergleichen, die im Wesentlichen Positionen vertritt, die noch vor 25 Jahren im Deutschen Bundestag – außer bei den „Grünen“ – als „common sense“, als vom Menschenverstand geboten, galten.

Ulrich Wenck

Einige der aktuellen Themen in der Ausgabe vom 12. Oktober 2018

FRONTAL GEGEN CHINA

Während die ganze Welt auf Brett Kavanaughs Ernennung zum Richter am Obersten Gerichtshof der USA blickte, hat US-Vizepräsident Mike Pence in einer Rede beim Hudson Institute beunruhigende Ziele der amerikanischen Außenpolitik formuliert: Für Washington wird China demnach immer mehr zum Hauptgegner.

MERKEL-DÄMMERUNG NIMMT
GESTALT AN

Die Zeichen des Autoritätsverlusts der Bundeskanzlerin innerhalb der eigenen Partei mehren sich. Auf dem Parteitag im Dezember muss Angela Merkel mit starkem Gegenwind rechnen. Einer ihrer Herausforderer um den Parteivorsitz ist der Völkerrechtler Matthias Herdegen.

GLOBALES RECHT AUF MIGRATION?

In zwei Monaten, am 11. Dezember, soll in Marrakesch der „Global Compact for Migration“ verabschiedet werden. Dem „Globalen Vertrag für sichere, geordnete und geregelte Migration“ fehlt die demokratische Legitimation, obwohl seine Folgen – allen voran eine unkalkulierbare Zunahme der Wanderungsbewegung in Richtung Europa und Deutschland – gravierend sind. Wie verträgt er sich mit dem völkerrechtlichen Grundsatz der Staatensouveränität?

KURZ BEI PUTIN

Kaum ein Regierungschef in Europa traf in diesem Jahr Russlands Präsidenten Wladimir Putin öfter als Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz. Auch jetzt kamen die beiden in St. Petersberg wieder zusammen. Wie Wien zwischen der EU und Moskau vermitteln will.

UMWELTPOLITISCHE MOGELPACKUNG

Das Urteil kommt für die GroKo nicht überraschend, aber zur Unzeit: Der Europäische Gerichtshof hat die Bundesrepublik Deutschland aufgrund ihres laxen Umgangs mit der Autoindustrie verurteilt. Und: Das Echo auf den Berliner Diesel-Kompromiss. Wer die Zeche nun zahlen soll.

DAS „DIVERSITY“-DOGMA

Für beträchtliche Teile von Politik und Medien darf „Diversity“ als Leitbild nicht infrage gestellt werden. Doch eine Einlassung, was darunter eigentlich zu verstehen sei, bleiben sie schuldig. Nicht dazu gehört offenbar eine Vielfalt an Meinungen, etwa im akademischen Umfeld – sie ist zunehmend unerwünscht.

DUELL ZWISCHEN MÖNCH UND
KARDINAL

Im Oktober ist es genau 500 Jahre her, dass Martin Luther den möglicherweise schwersten Gang seines Lebens antreten musste: In Augsburg verantwortete er sich vor dem römischen Kardinal Cajetan. Dieser hatte vom Papst Weisung, ihn zum Widerruf seiner Thesen zu bringen.

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Nr. 41 vom 5.10.2018

Nr. 41 vom 5.10.2018

Standpunkt

Aloha-Sprit-Verbrauch

Das Gespräch mit dem Buchhändler kam eher zufällig auf Politik. Er offenbarte mir seine Absicht, bei der bayerischen Landtagswahl am 14. Oktober die „Grünen“ zu wählen. Ich dachte mir: Das wird einer der Wohlmeinenden sein, die ihre umweltbewussten Sichtweisen am ehesten bei der Partei gewahrt sehen, die sich als grün ausgibt. Machte ihn also darauf aufmerksam, dass deren Migrationsideologie mit ökologischem Denken schlecht vereinbar sei. Eine nachhaltige, ressourcenschonende Gesellschaft werde sich nicht mehr errichten lassen, wenn immer mehr Menschen Tausende Kilometer von anderen Mitgliedern ihrer Familie entfernt wohnen.

Außerdem erwähnte ich ein paar Beispiele dafür, wie wenig ernst „Grünen“-Politiker ihre vorgebliche Agenda nehmen – was man meistens erst dann erfährt, wenn etwas schiefläuft. Siehe den Bonusmeilen-Flug des einstigen Fraktionschefs Rezzo Schlauch nach Thailand oder den Mopedunfall-Urlaub von Bürgermeister Josef „Hep“ Monatzeder auf den Philippinen.

Wer das Thema Ökologie bei der Wahl unmittelbar ansprechen wolle, solle lieber die ÖDP wählen, die bereit sei, Umweltforderungen mit einem entsprechenden Lebensstil zu verknüpfen. Verwundert hörte ich die Antwort des Mannes, die ÖDP sei ihm „irgendwie zu völkisch“. Eine nähere Erläuterung zu diesem Vorwurf wollte er nicht geben – es handelte sich offenbar maximal um ein Gefühl.

Kurz darauf betritt ein anderer Kunde das Geschäft und der eben noch „grün“ redende Buchhändler fängt an, von dem 14-tägigen Surfurlaub auf Hawaii zu erzählen, von dem er gerade zurückgekehrt war. Er protzt mit dem sagenhaften „Aloha Spirit“, aber verliert kein Wort über den Sprit.

Eine Flugreise von München nach Hawaii (Flughafen Hilo) mit der obligatorischen Zwischenlandung in Los Angeles – hin und zurück 27.106 Kilometer – führt laut dem CO2-Rechner des Umweltbundesamts zu einem Kohlendioxidausstoß von 8,26 Tonnen pro Person. Das ist mehr als das Doppelte dessen, was ein Durchschnitts-Inder in einem ganzen Jahr verursacht. Schlagartig wurde mir klar, dass dieser Mann gegenüber allen Ideen einer Lebensstiländerung unempfindlich sein muss, dass er die „Grünen“ keinesfalls aus Liebe zur geschundenen Natur (etwa um neue Startbahnen zu verhindern!) und zur Abwendung einer „heißen“ Zukunft wählen will, sondern weil er den Etikettenschwindel mitmacht.

Dass Reisen zuweilen bildet, traf in diesem Fall auch nicht unbedingt zu. Zumindest interessierten tiefergehende Themen – etwa die mit der Annexion des souveränen Königreichs Hawaii durch die USA im Jahr 1898 und mit dem Selbstbestimmungsrecht der polynesischen Ureinwohner des heutigen „Territory of Hawaii” bis heute einhergehenden völkerrechtlichen Fragen – den Mann nicht erkennbar.

Das Geschäft der „grünen“ Partei mit ihren Wählern basiert offenbar in vielen Fällen gar nicht auf Täuschung. Sondern manch bekennender „Grüner“ will als approbiert gut dastehen, egal was er zwischen den Wahlen anstellt. Man hängt sich sozusagen ein Wohlfühl-Label um – und lässt die Sau raus.

Mein Bild vom gelinkten, auf die Sprüche der Parteinomenklatur hereingefallenen kleinen Mann bei den „Grünen“ hat bei dieser Gelegenheit ziemliche Risse bekommen. Übrigens hatte auch besagter Buchhändler ein „Argument“ – unwürdig des Volkes eines Immanuel Kant zwar, der den kategorischen Imperativ begründete –, warum man sein Leben nicht zu ändern braucht: Für eine Deglobalisierung sei es schon zu spät.

Wenn man aber den Abschied vom globalistischen Machbarkeitswahn als notwendig ansieht, um das menschliche Leben auf unserem Planeten auf längere Frist zu gewährleisten, wüsste ich sogar noch eine deutlich wirksamere Wahl als die der ÖDP.

Ulrich Wenck

Einige der aktuellen Themen in der Ausgabe vom 5. Oktober 2018

SPURWECHSEL STATT RÜCKFÜHRUNG?

Bundestagspräsident Schäuble hat eine rechtsstaatlich bedenkliche Kapitulationserklärung in der Migrationspolitik abgegeben. Was er und andere als Realismus zu verkaufen versuchen, belohnt in Wirklichkeit Rechtsmissbrauch – und das ist geeignet, den Sog noch zu verstärken.

BAYERN VOR DER WAHL

Die AfD steht vor den Toren des Bayerischen Landtags. Das gehört zu dem Wenigen, das kurz vor der Landtagswahl am 14. Oktober feststeht. Offen ist hingegen, wie sich die mageren Umfragewerte der CSU auf die Mobilisierung am Wahltag auswirken. Welche Regierungskoalition kündigt sich an? Wen kann man wählen – und wen nicht?

BITTERE PERSPEKTIVLOSIGKEIT

Nach einer von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie leben in der Bundesrepublik Deutschland 12,3 Prozent der Erwerbstätigen, das sind gut vier Millionen Menschen, dauerhaft in prekären Umständen: Job ohne Perspektive, zu wenig Einkommen, mangelhafte soziale Absicherung über Jahre.

GILT DER BEUTELSBACHER
KONSENS NOCH?

Lehrern ist es nicht erlaubt, Schüler im Sinne der eigenen Meinungen zu beeinflussen und an der Ausbildung eines eigenständigen Urteils zu hindern („Überwältigungsverbot“). Wie sieht es in der Realität damit aus? Der Streit um „Neutrale Schulen“ und die Gefahren politischer Indoktrination.

FEUERPROBE FÜR THERESA MAY

Die Differenzen zwischen der Premierministerin und den sogenannten Brexit-Hardlinern, allen voran Ex-Außenminister Boris Johnson und der einflussreiche Abgeordnete Jacob Rees-Mogg, lassen den innerparteilichen Druck auf Theresa May weiter anwachsen. Welches Brexit-Szenario setzt sich durch?

WOFÜR STEHT RENDI-WAGNER?

Dass mit Pamela Rendi-Wagner erstmals eine Frau an die Spitze der österreichischen Sozialdemokratie getreten ist – schön und gut. Interessanter ist allerdings, was sie qualifizierte, zu dem Bilderberg-Treffen eingeladen zu werden, das im Juni 2018 in Turin stattfand, warum sie daran teilnahm und was dort erörtert wurde.

KÄMPFER UND KÜNSTLER

Der kroatische Mittelfeldstratege Luka Modrić ist zum „Weltfußballer des Jahres“ gekürt worden. Er löst damit Messi und Ronaldo ab, die den Wettstreit um den begehrten Titel in den vergangenen zehn Jahren unter sich ausgemacht hatten. Der bisherige Lebenslauf des Kroaten ist von außergewöhnlichen Härten geprägt.

TIERSCHUTZGESETZ MIT LÜCKEN

Das bundesdeutsche Tierschutzgesetz schreibt vor, dass ein schmerzhafter Eingriff bei einem Wirbeltier nicht ohne Betäubung durchgeführt werden darf. Noch gilt allerdings die Ausnahme, dass Ferkel bis zu ihrem siebten Lebenstag ohne Betäubung kastriert werden dürfen.

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Nr. 40 vom 28.9.2018

Nr. 40 vom 28.9.2018

Standpunkt

Motive hinter den Verlautbarungen

Hans-Georg Maaßen wurde in den letzten Wochen in einer Weise vorgeführt und zum Objekt politischer Ränkespiele gemacht, die man niemandem wünschen kann und die mit „Anstand“, wie ihn die SPD gerade auf ihren bayerischen Landtagswahlplakaten einfordert, nicht das Geringste zu tun hat.

Bundeskanzlerin Merkel erklärte einen Tag nach dem neuen „Deal“ vom 23. September, wonach Maaßen als Verfassungsschutzchef abgelöst und auf einer erfundenen Stelle als „Sonderberater beim Bundesminister des Innern im Range eines Abteilungsleiters (Besoldungsstufe B9)“ für europäische und internationale Aufgaben zuständig sein werde, sie habe „zu wenig an das gedacht, was die Menschen zu Recht bewegt, wenn sie von einer Beförderung hören. Das bedaure ich sehr.“

Wo Maaßen angeblich „zu zögerlich“ war

Woran aber hat man wirklich gedacht, als es um die Versetzung Maaßens ging? Niedersachsens Landesinnenminister Boris Pistorius, der zugleich Sprecher der SPD-Innenminister ist, offenbarte im „Spiegel“ vom 22. September die Motive, warum Hans-Georg Maaßen für ihn nicht akzeptabel war – darunter dieses: „Seit Monaten versuchen viele Landesämter, das Thema AfD auf die Tagesordnung der Amtsleiterbesprechung zu setzen, allerdings erfolglos. Unter Maaßen war das Bundesamt für Verfassungsschutz viel zu zögerlich.“

Vier Seiten vorher bestätigte das Hamburger Magazin, „wie unbeliebt Maaßen ist, nicht nur bei der SPD, sondern auch bei der Kanzlerin“: „Merkel ist nicht entgangen, wie Maaßen und Bundespolizeipräsident Dieter Romann Stimmung gegen ihre Flüchtlingspolitik gemacht haben.“ Stimmung machen – so nennt man es nun in diesen Kreisen also, wenn zwei hohe Beamte und Sicherheitsexperten, beide promovierte Juristen, darauf pochen, dass über sichere Drittstaaten anreisenden Asylmigranten an der Bundesgrenze die Einreise verweigert wird, wie es das Asylgesetz in § 18 Absatz 2 Nummer 1 vorschreibt. Und zwar in voller Vereinbarkeit mit der Dublin-III-Verordnung vorschreibt, was der frühere Bundesverfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier in seiner im Auftrag der FDP-Bundestagsfraktion erstellten „Rechtsgutachtlichen Stellungnahme zu Fragen der Einreiseverweigerung“ für jedermann nachvollziehbar dargelegt hat.

… und bei welchem Thema er störte

Wer die Politik der offenen deutschen Bundesgrenze um jeden Preis fortsetzen will und dafür, wie Merkel das tat, sogar ein wochenlanges Tauziehen mit dem letztlich ohnmächtigen Bundesinnenminister in Kauf nimmt, für den ist ein Mann wie Maaßen natürlich untragbar. Schon vor mehr als zwei Jahrzehnten, in der Einleitung seiner im Wintersemester 1996/1997 von der Universität Köln angenommenen juristischen Dissertation „Die Rechtsstellung des Asylbewerbers im Völkerrecht“, wandte sich Maaßen gegen einen Missbrauch des Asylrechts für eine „unkontrollierte Massenzuwanderung“, durch Schlepperorganisationen „zum organisierten Menschenhandel, um kriminellen Unternehmen in den Zielstaaten billige Arbeitskräfte zur Ausbeutung zuzuführen“, und durch „internationale Verbrecherkartelle, um in den Zielstaaten Fuß zu fassen“.

Die damit im Zusammenhang stehenden Fragen hatte er schon damals zu Ende gedacht: „Fast alle Staaten Westeuropas, die von hohen Asylbewerberzugängen betroffen sind, stehen vor gleichen Problemen: Überlange Asylverfahren, Überlastung von Verwaltung und Justiz, niedrige Anerkennungsquoten, hohe Ausgaben für Sozialleistungen, steigende Ausländerkriminalität, Zunahme der organisierten Einschleusungen sowie Schwierigkeiten beim Vollzug aufenthaltsbeendender Maßnahmen. Dabei hat sich ein asylpolitischer Circulus vitiosus abgezeichnet: Hohe Asylbewerberzugänge führen wegen Überlastung von Verwaltung und Justiz zu überlangen Verfahrenszeiten; überlange Verfahrenszeiten bieten Asylbewerbern einen längeren Genuss der durch die Asylantragstellung vermittelten Rechtsstellung und bieten einen großen Anreiz für den Nachzug weiterer Asylbewerber, was wiederum zu einer weiteren Belastung von Verwaltung und Justiz führt.“

Dass in Europa „die Akzeptanz gegenüber Asylbewerbern gesunken“ sei, liege daran, dass es sich in der Regel gerade nicht um politisch Verfolgte handele, „sondern um Personen, die mittels des Asylrechts aus überwiegend wirtschaftlichen Gründen zuzuwandern suchen“.

Nicht „um den ganzen Globus“

Im ersten Teil seiner Dissertation untermauerte Maaßen auf den Seiten 205 ff. das „in verschiedenen westlichen Staaten eingeführte Prinzip des sicheren Drittstaates“, das 1993 auch Aufnahme ins Grundgesetz und in das Asylverfahrensgesetz (inzwischen heißt es Asylgesetz) gefunden hat: „Hintergrund dieses Prinzips ist die Überlegung, dass ein vor politischer Verfolgung Flüchtender in dem ersten Staat um Schutz nachsuchen muss, in dem ihm dies möglich ist: Politische Verfolgung rechtfertigt es nicht, dass ein Ausländer um den ganzen Globus reist, damit er in dem Staat um Asyl nachsuchen kann, der ihm am genehmsten ist.“ Konkret bedeutete das laut Maaßen insbesondere: „In Deutschland wird asylsuchenden Ausländern die Einreise verweigert, wenn sie aus einem sicheren Drittstaat einzureisen suchen (§ 18 Abs. 2 Nr. 1 AsylVfG).“ Die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts vom 14. Mai 1996, die die Asylrechtsreform von 1993 (und damit auch die genannte Bestimmung, die auch heute noch Dreh- und Angelpunkt der migrationspolitischen Auseinandersetzung ist) als mit dem Grundgesetz vereinbar einstuften, wollte Maaßen im letzten Satz seiner Arbeit (S. 386) als „wichtigen Wegweiser für eine realistische, den Interessen der Ausländer und denen der Allgemeinheit Rechnung tragende Asylpolitik“ verstanden wissen.

„Ein schlechter Dienst“

Die dieser Einschätzung von Maaßen zugrunde gelegte Erwägung liest sich, obgleich vor mehr als zwanzig Jahren geschrieben, wie auf Merkel gemünzt: „Nicht nur der Allgemeinheit, sondern auch dem Asylrecht erweist man einen schlechten Dienst, wenn man […] überzogene, auf eine Erweiterung bestehender Asylrechtsverbürgungen hinausgehende Forderungen stellt und notwendige Maßnahmen zur Einschränkung des Asylmissbrauchs bekämpft.“

Keine Frage, dieser Mann musste weg.

Ulrich Wenck

Einige der aktuellen Themen in der Ausgabe vom 28. September 2018

GRENZENLOS OPPORTUNISTISCH

Die Aussage „Wir sind nicht Deutsch“ ist Teil der aktuellen Werbekampagne des ADAC. Für manchen, der dem Verband noch nicht wegen dessen einseitiger Lobbyforderungen den Rücken gekehrt hat, ist diese Bekundung, die wie ein Vollzug der Merkel’schen Auflösungs- und Nationsverneinungspolitik wirkt, Anlass, den Austritt zu erklären. Für wohlmeinende Interpretationen – zum Beispiel, es handele sich um „Selbstironie“ – ist in der Tat wenig Raum.

KONFLIKT UM DEN HAMBACHER FORST

Der „Hambi“ soll nach dem Willen von RWE ab Mitte Oktober abgeholzt werden, um den Braunkohletagebau zu erweitern. Um das zu verhindern, haben Demonstranten das Waldstück in Beschlag genommen. Die Proteste werden durch rücksichtslose Übergriffe diskreditiert.

ANSICHTEN EINES FLÜCHTLINGS

Der Dalai Lama riet während seiner jüngsten Europatournee Flüchtlingen in Europa zur schnellstmöglichen Rückkehr in die Heimat, um dort den Wiederaufbau zu beginnen. Er weiß, wovon er redet. Schließlich muss der Friedensnobelpreisträger seit fast sechs Jahrzehnten aus der Ferne zusehen, wie seine Heimat einer Sinisierung ausgesetzt ist, die Tibets Kultur und Identität bedroht.

ZENSUS 2011 WAR RECHTENS

Das Bundesverfassungsgericht hat die bei der Volkszählung von 2011 angewandten Methoden bestätigt. Die Normenkontrollklagen von Berlin und Hamburg führten nicht zum Erfolg. Die Einwohnerzahlen der beiden Städte waren gesunken, was weniger Geld aus dem Länderfinanzausgleich zur Folge hat.

KOLLABIERT DIE ENERGIEWENDE?

In der Bundesrepublik Deutschland wird immer mehr Ökostrom produziert. Doch es gelingt nicht, ihn dorthin zu transportieren, wo er benötigt wird. Experten sind sich einig: Weitaus umsichtiger wäre es gewesen, von Anfang an auf ein möglichst dezentrales Netz zu setzen.

BELEIDIGUNGEN UND DROHUNGEN

Ein Brief von Mitarbeitern eines Berliner Klinikums hat die Debatte über die Sicherheitslage von Rettungskräften neu angefacht. Berichtet wird von unhaltbaren Zuständen, darunter auch einer wachsenden Zahl wüster Beschimpfungen und tätlicher Übergriffe.

AUFSTEIRERN IN GRAZ

Auch wenn man es angesichts des großen Zuspruchs und der authentischen Traditionspflege kaum glauben mag: Das Aufsteirern ist gerade erst 16 Jahre alt. Auch heuer kamen wieder 2.500 Akteure und gut hunderttausend Besucher aus Nah und Fern nach Graz – zum größten Volkskulturfest der Steiermark.

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