Nr. 41 vom 4.10.2019

Nr. 41 vom 4.10.2019

Standpunkt

Dürer in Wien

Unser Titelbild zeigt einen Ausschnitt aus Dürers „Rosenkranzfest“, das er als Altarbild für die Kirche San Bartolomeo in Venedig schuf. Am rechten Bildrand positionierte er dieses Selbstporträt mit dem in lateinischer Sprache gehaltenen Hinweis: Das Bild „hat Albrecht Dürer der Deutsche in fünf Monaten 1506 ausgeführt“.

Dass Dürer „Sohn ungarischer Migranten“ gewesen sei, eröffnete die „Frankfurter Allgemeine“ ihren Lesern auf der Titelseite vom 28. September 2019. Als ob die Verwendung ein und desselben Wortes für zwei vollkommen verschiedene Sachverhalte diese einander annähern würde. Es kommt hinzu: Die Behauptung stimmt nicht.

Von den vier Großelternteilen Albrecht Dürers war der Großvater väterlicherseits, der Goldschmied Anthoni Dürer, möglicherweise Magyar. Früher hielt man es etwa für wahrscheinlich, dass dieser Großvater „von den deutschen Kolonisten“ abstammte, „die König Bela IV. nach den Mongoleneinfällen (1241) in das verwüstete Ungarn gerufen hatte“, wie es in dem Werk „Dürer und seine Zeit“ (Phaidon, 1953) des Kunsthistorikers Wilhelm Waetzoldt heißt. Einer solchen Annahme hielt Gerhard Hirschmann in dem Beitrag „Albrecht Dürers Abstammung und Familienkreis“, enthalten in der Festschrift zum 500. Geburtstag Albrecht Dürers am 21. Mai 1971, entgegen, dass für sie „kein Beleg“ ins Feld zu führen sei.

Thesen der Forschung

In seiner Familienchronik spricht Albrecht Dürer vom „Dörflein Eytas“ – „nit fern von einem kleinen Städtlein, genannt Jula, acht Meilen wegs weit unter Wardein“ –, aus dem sein Großvater stammte. Eine deutsche Meile entspricht 7,5 Kilometern. Großwardein, wo ein Onkel Albrecht Dürers Pfarrer wurde, liegt rund 70 Kilometer vom heutigen Gyula entfernt.

Die rumänische Kunsthistorikerin Prof. Adina Nanu vertritt in ihrem 2015 neu aufgelegten Buch „Auf Dürers Spuren“ die These, dessen Vorfahren väterlicherseits könnten Siebenbürger Sachsen gewesen sein. Die Stadt Düren bei Aachen, auf die möglicherweise der Name zurückgeht, liegt tatsächlich im Hauptherkunftsgebiet dieser Auswanderer.

Auf seinen Reisen in die Niederlande kam Albrecht Dürer sogar durch Düren, ohne es in seinen Aufzeichnungen besonders zu erwähnen, was zumindest dagegen spricht, dass es hierhin eine familiäre Verbindung gab, die er kannte. Hingegen spricht er von Besuchen bei seinem Vetter „Niclas Dürer, der zu Cöln sitzt, den man nennt Niclas Unger, der ist auch ein Goldschmied“.

Das Künstlerlexikon Thieme-Becker bemerkte schon 1914, dass Dürers Herkunft „bereits eine kleine Literatur erzeugt hat“. In deren Mittelpunkt stand die Frage, ob der Name auf das ungarische Adelsgeschlecht Ajtósy, das sich nach dem Dorf Ajtós benannte, verweist. Ajtó kann man mit „Tür“ übersetzen – dass Dürers Vorfahren zu diesen Adeligen zählen, sei aber zweifelhaft, weil er in seinen Selbstzeugnissen keinen Hinweis darauf liefert. Demnach liegt die auch im Thieme-Becker geäußerte Vermutung nahe, dass es sich um einen einfachen Herkunftsnamen handelt, den Großvater Anthoni, „vielleicht selbst bereits, falls er germanischer Herkunft war, in ‚Thürer’ verdeutschte“.

Eine mitteleuropäische Familiengeschichte

Anthoni und Elisabeth Dürer hatten drei Söhne, unter ihnen der 1427 in Gyula geborene Albrecht Dürer der Ältere, Goldschmied wie sein Vater. Er war es, der nach der Lehrzeit der ungarischen Kleinstadt den Rücken kehrte und sich nach mehreren Jahren in den Niederlanden 1455 in Nürnberg niederließ. Dies erkläre „sich vielleicht auch daraus, dass er hier schon als Goldschmiedelehrling in seinen Jünglingstagen einmal geweilt und sogar als Milizsoldat teilgenommen hatte an dem wenig ruhmreichen Zug der Nürnberger gegen die Raubritter von Waldenfels auf Veste Lichtenberg“, meint Waetzoldt.

1467 heiratete Albrecht Dürer d. Ä. Barbara Holper, die Tochter seines Meisters, des Goldschmieds Hieronymus Holper. 1471 wurde dem Ehepaar als drittes von achtzehn Kindern das Genie Albrecht Dürer geboren.

Albrecht Dürer d. Ä. beherrschte das Deutsche so, dass Fridolin Solleder, bis 1952 Leiter des Staatsarchivs Nürnberg, einen Brief Albrechts d. Ä. an seine Frau Barbara als so „gut und zügig geschrieben“ einstufte, „dass Dürers Vater schon in seiner ungarischen Heimat das Deutsche als Muttersprache erlernt haben muss“. Diesem Argument dafür, dass Albrecht Dürers Großmutter väterlicherseits deutschstämmig war, wird man sich auch nach Ansicht Gerhard Hirschmanns „nicht verschließen können“.

Diese mitteleuropäische Familiengeschichte mit einem möglicherweise ungarischen Großelternteil macht Albrecht Dürer nicht zum „Sohn ungarischer Migranten“. Aber selbst wenn seine Eltern Ungarn gewesen wären, wäre das kein Sachverhalt, der geeignet wäre, ein werbendes Licht auf die Fernmigration heutiger Zeit zu werfen oder diese mit Dürer und seinen Werken zu assoziieren, die jetzt in der Albertina in Wien ausgestellt werden.

Ausstellung in der Albertina

Den Höhepunkt dieser Schau bildet zweifelsohne der berühmte Feldhase, der übrigens zuletzt während der Langen Nacht der Museen 2016 für gerade einmal sieben Stunden dem Publikum im Original gezeigt wurde. Mit ihrer letzten Dürer-Ausstellung konnte die Albertina 2003 eine halbe Million Besucher anlocken. Es steht zu erwarten, dass die aktuelle Schau diese Zahlen noch übertrifft. Immerhin ist sie umfassender und enthält mehr als 200 Exponate aus Dürers zeichnerischem, druckgrafischem und malerischem Werk.

Die Albertina ist für diese „Jahrhundertschau“, die bis zum 6. Januar dauert, geradezu prädestiniert, denn sie besitzt mit 140 Arbeiten den weltweit bedeutendsten Bestand an Dürer-Zeichnungen, deren Provenienz bis ins Jahr 1528 zurück verfolgt werden kann. Die Verbindung nach Wien bestand über höchste Kanäle. Zu Dürers Auftraggebern und Gönnern zählte Kaiser Maximilian. Dessen Urenkel Rudolf II. kaufte um 1600 den Nachlass des Künstlers und erwarb auch das Altarbild „Rosenkranzfest“.

Einige der aktuellen Themen in der Ausgabe vom 4. Oktober 2019

KLIMASCHUTZ ERNST NEHMEN

Die Segeljacht, mit der Greta nach Nordamerika gelangte, ist ungeachtet der Einwände ein wichtiges Symbol dafür, dass Transport keine vernachlässigenswerte Größe ist, wenn man es mit dem Klimaschutz ernst meint. Das aber widerspricht dem globalistischen Ansatz, der die Welt als grenzenlosen Umschlagplatz von Waren und Menschen sieht, fundamental.

PARTNERSUCHE DER ÖVP

Die Nationalratswahl endete mit dem Triumph von Sebastian Kurz. Für eine Koalition hat er nun mehrere Optionen. Doch kann und will er wirklich mit den „Grünen“ regieren, wo ihm auch hunderttausende vormalige FPÖ-Wähler das Vertrauen geschenkt haben?

THÜRINGEN VOR DER WAHL

Am 27. Oktober findet in Thüringen die letzte Landtagswahl dieses Jahres statt – und es spricht alles dafür, dass die AfD nach Sachsen und Brandenburg ihre Erfolgsserie fortsetzen wird. Rot-rot-„grün“ – die bisherigen Regierungsparteien – wird keine Mehrheit mehr erreichen können.

VON DER STRASSE AUF DIE SCHIENE

Die Finanzierungslücke der Deutschen Bahn von drei Milliarden Euro ist in erster Linie ein Problem der Rechtsform, denn die DB ist als Aktiengesellschaft auf Profit orientiert. Vor der formellen Privatisierung vor 25 Jahren war ihr Ziel die bestmögliche Verkehrsbedienung. Eine am Gemeinwohl ausgerichtete DB wäre nicht zuletzt auch ein Gewinn für den Klimaschutz.

EUROPAWEITER WIDERSTAND
WÄCHST

Überraschend kündigte die deutsche EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger in der vergangenen Woche ihren Rücktritt an, obwohl ihre Amtsperiode noch zwei Jahre gedauert hätte. Sie gilt als Kritikerin der EZB-Nullzinspolitik – und ihr Schritt ist als Protest gegen die Politik des EZB-Präsidenten Draghi zu verstehen.

WERDEN DIE USA IN SYRIEN
BLEIBEN?

Am 24. September 2019 hat die parteiübergreifend vom US-Kongress eingesetzte „Syria Study Group“ einen Abschlussbericht vorgelegt, der gegen einen angekündigten US-Abzug Stimmung macht. Gleichzeitig wird das nicht zuletzt von Washington zu verantwortende Desaster in Syrien umrissen.

UNGLAUBLICHE GESCHICHTE(N)

In seinem Buch „Tausend Zeilen Lüge“ beschreibt der Redakteur Juan Moreno die Hochstapeleien des ehemaligen „Spiegel“-Journalisten Claas Relotius. Nicht nur das bekannteste Politmagazin Deutschlands ließ dessen Märchen drucken.

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Nr. 40 vom 27.9.2019

Nr. 40 vom 27.9.2019

Standpunkt

Greta weiter gedacht

„Fliegen ist das absolut Schlimmste, was man machen kann.“ Diesen Satz ihrer Tochter zitiert Greta Thunbergs Mutter Malena Ernman in dem Buch „Szenen aus dem Herzen. Unser Leben für das Klima“, das im schwedischen Original kurz nach dem ersten Schulstreik der heute 16-Jährigen vor dem Stockholmer Riksdag im Sommer 2018 veröffentlicht wurde.

Ende des Globalismus

Nach dieser Maxime kam es für Greta nicht infrage, nach New York zu fliegen. Die Segeljacht, mit der sie vor gut vier Wochen in Nordamerika ankam, ist ein Symbol. Allerdings nicht dafür, dass klimafreundliche Alternativen für Fernreisen nur einem kleinen Bevölkerungsteil zugänglich sind, sondern dass, wenn man es ernst meint mit dem Klimaschutz, der Bewegungsradius kleiner wird. Und das widerspricht dem globalistischen Ansatz, der die Welt als grenzenlosen Umschlagplatz von Waren – und Menschen – sieht, fundamental.

Wer Gretas Forderungen zu Ende denkt, kann nicht für sich in Anspruch nehmen, als Mitglied der „frequent flyer elite“ ein modernes Nomadenleben zwischen Boston, London und Singapur zu führen, nur weil man über die finanziellen Mittel verfügt und imstande ist, sich losgelöst von Herkunfts- und Aufnahmegesellschaft im eigenen sozialen, exklusiven Milieu einen transkulturellen Heimatersatz zu schaffen.

Wer Greta ernst nimmt, kann auch nicht auf die ohnehin menschenfeindliche Idee kommen, Fachkräftemangel und demografische Defizite durch den Geburtenüberschuss anderer Erdteile auszugleichen (was auch die aufs Klima einwirkende hohe Fertilitätsrate in jenen Ländern nicht senken würde). Ökologisch bedeutet es jedenfalls einen großen Unterschied, ob Großeltern, Tanten und Onkel, die es zu sehen gilt, fünf, fünfzig oder fünftausend Kilometer weit weg wohnen.

Der britische Philosoph Roger Scruton erweitert in seinem Buch „Grüne Philosophie. Ein konservativer Denkansatz“ diesen Aspekt. Umweltschutz sieht er am besten und effektivsten durchsetzbar, wenn ihm die „Liebe zur Heimat“ („Oikophilie“) zugrunde liegt. Insofern kann eine multikulturelle Gesellschaft problematisch sein. „Eine konservative Umweltpolitik, die der Einwanderung keine Grenzen auferlegt und die Neuankömmlinge nicht in die Oikophilie einbindet, von der die gesamte Nation abhängt, hätte keinerlei Aussicht auf Erfolg.“ Die Oikophilie hat auch eine soziale Dimension. Das „Sozialkapital, das sich in Gesetzen, Gepflogenheiten und Institutionen zeigt“, dürfe für multikulturelle Gesellschaftsexperimente nicht aufs Spiel gesetzt werden, so Scruton. Ziel müsse sein, „künftigen Generationen jene Ordnung wiederzugeben, deren zeitweilige Treuhänder wir sind, und diese in der Zwischenzeit aufrechtzuerhalten und zu verbessern“. Die gelegentliche Verwendung des Wortes „Enkeltauglichkeit“ als Synonym für Nachhaltigkeit lässt eine beliebige Austauschbarkeit der Bevölkerung unlogisch erscheinen.

Gretas Trittbrettfahrer

Dass Migration, Flugaufkommen und damit Klimawandel korrelieren, dürfte auch für Gretas Mutter bislang ein Denktabu gewesen sein, die, bevor ihre Tochter weltberühmt wurde, in recht plakativer Weise ihre Sympathien für eine Politik der offenen Grenzen zum Ausdruck gebracht hat.

Obwohl sich etliche mächtige Politiker der 16-Jährigen anzubiedern versuchen, scheint ihnen die wirkliche Bereitschaft zu fehlen, die Globalisierungsbremse zu ziehen. Der erste Satz ihrer viel beachteten Rede beim UN-Klimagipfel – „Meine Botschaft ist, dass wir euch beobachten“ – entlockte dem Auditorium ein Lachen. Dass die Zuhörer offensichtlich glaubten, Greta wolle ihre Ansprache mit einer üblichen Pointe beginnen, ist ein durchaus symbolisches Missverständnis.

Greta wird auch von denen, die von der von ihr ausgelösten Welle von Erfolg zu Erfolg getragen werden, ganz offensichtlich nicht ernstgenommen. Tragischerweise nutzt ihr Engagement nämlich ausgerechnet einer politischen Kraft, die sich zwar ökologisch gibt, aber der globalistischen Agenda verpflichtet ist. Die maßgeblichen Köpfe der „Grünen“ können mit der Etymologie von Ökologie nichts anfangen und leiden eher an „Oikophobie“. Das ist keine gute Voraussetzung für ernst gemeinten, konsequenten Umweltschutz, wie ihn sich Greta vorstellen dürfte.

Amelie Winther

Einige der aktuellen Themen in der Ausgabe vom 27. September 2019

VON DER LEYENS TRÜMMERHAUFEN

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer staunt: „In der Bundeswehr fliegt nichts, fährt nichts, geht nichts zur See.“ Entsprechendes gilt für das Ausbildungsprogramm der Bundeswehr für syrische Migranten, das Ursula von der Leyen 2016 ins Leben gerufen hatte. Inzwischen hat sich der Bundesrechnungshof die Initiative angesehen.

ÖSTERREICH WÄHLT

Die politischen Attacken von SPÖ-Frontfrau Pamela Rendi-Wagner auf Sebastian Kurz könnten mitentscheidend für die künftige Regierungskoalition sein. Ein türkis-rotes Bündnis (ÖVP/SPÖ) gilt dadurch als unwahrscheinlich.

PULL-FAKTOR SEEHOFER

Noch vor einem Jahr hatte er Migration als „Mutter aller Probleme“ bezeichnet und gab sich als Widersacher von Kanzlerin Merkel. Jetzt hat CSU-Innenminister Horst Seehofer verkündet, dass jeder vierte Bootsmigrant aus Italien nach Deutschland geholt werden solle. Eine Prüfung der genauen Identität, des Vorlebens und der Schutzbedürftigkeit ist dabei zweitrangig.

WO TOLERANZ NICHT ZÄHLT

Darf Professor Dr. Hans Joachim Mendig, erfolgreicher Filmproduzent sowie Geschäftsführer der „HessenFilm“, mit Professor Dr. Jörg Meuthen, Wirtschaftswissenschaftler sowie Chef der größten Oppositionskraft im Lande, Kaffee trinken, ohne anschließend Kopf, Kragen und Reputation zu verlieren?

NERVENSACHE

Gelingt Boris Johnson in der „Brexit-Frage“ doch noch der Durchbruch? Immerhin deuteten höchste EU-Kreise zuletzt an, dass alternative Regelungen zum „Backstop“ unter bestimmten Voraussetzungen akzeptabel wären. Währenddessen gibt die Opposition unter Labour-Chef Jeremy Corbyn keine gute Figur ab.

MYSTERIÖSE SICHERHEITSLÜCKE

Die brennenden Ölanlagen in Saudi-Arabien werfen Fragen auf. Das Königreich Saudi-Arabien verfügt über die modernsten Raketenabwehrsysteme und das weltweit dritthöchste Militärbudget. Wie verwundbar ist Riad?

WIDERSTAND UND DÉSINVOLTURE

Ernst Jüngers Erzählung „Auf den Marmorklippen“ erschien vor 80 Jahren in der Hanseatischen Verlagsanstalt und gilt als Musterbeispiel für die „innere Emigration“. Was hat es mit der „hoch-romantischen und symbolistischen“ Parabel vom Untergang einer Zivilisation auf sich?

REMBRANDT ZUM 350. TODESTAG

Die rätselhafteste und abgründigste Erzählung der Bibel findet sich im 1. Buch Mose und beschreibt, wie Abraham seinen Sohn Isaak zu opfern bereit ist. Auch Rembrandt nahm sich des erschütternden Themas mehrfach an, so mit dem Historiengemälde „Der Engel verhindert die Opferung Isaaks“, dem Pfarrer Paul Fischer eine nähere Betrachtung widmet.

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Nr. 39 vom 20.9.2019

Nr. 39 vom 20.9.2019

Standpunkt

Geistig muss die Auseinandersetzung sein

Das Titelbild ist kein Foto aus einem Krieg, sondern eines aus dem deutschen Wahlherbst 2019. Das verbliebene Blau des Busses verweist auf die Partei, der nun das Wrack gehört. Und was wie Schnee aussieht, ist der Löschschaum, den der nächtliche Einsatz der Feuerwehr hinterließ. Sie verhinderte ein Übergreifen des Feuers auf ein Wohngebäude sowie ein Tierheim.

Die Mitteilung „Schwerer Brandanschlag auf AfD-Fahrzeugpark“, die die Partei am 14. September 2019 zu diesem Pressefoto verbreitete, wirkt stoisch: „Unbekannte Täter, vermutlich aus der linksextremistischen Szene, verübten in der Nacht zum Sonnabend einen schweren Brandanschlag auf das Privatgrundstück eines AfD-Politikers. Auf dem Grundstück in Meißen befindet sich ein Teil des Fahrzeugparks der Partei. Mehrere Autos wurden vernichtet. In unmittelbarer Nähe befindet sich zudem ein Tierheim. Der Sachschaden beträgt 40 bis 50.000 Euro. Der Staatsschutz ermittelt.“

Auch MdB Detlev Spangenberg, Diplom-Betriebswirt und Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes Meißen, geht von einem Anschlag aus, zumal der Zaun hinter dem Tatort aufgeschnitten worden sei. Militante Gegner der AfD gingen immer dreister vor, nähmen nicht nur die Zerstörung von Sachwerten, sondern auch Verletzung und Tod in Kauf.

Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die in den vergangenen Wochen medial verbreitete Stimmung? Fernsehinterviews zum Beispiel nehmen derzeit teilweise die Form von Verhören an, eine Beschuldigung jagt die andere. Da kann bei dem einen oder anderen wohl die Vorstellung aufkommen, dass auch auf Verständnis oder gar klammheimliche Zustimmung rechnen kann, wer mit Gewalt gegen die missliebige Partei vorgeht.

Zu bringen scheint das aber nichts. So konnte die AfD in Sachsen mit 27,5 Prozent der Stimmen ihr Wahlergebnis nahezu verdreifachen (plus 17,8 %); sie ist statt mit bisher 14 nun mit 38 Abgeordneten im Landtag in Dresden vertreten. Bereits während der Wahlkämpfe in Sachsen und Brandenburg war es zu Attacken auf Abgeordnetenbüros und Übergriffen auf Infostände gekommen, von abgerissenen Plakaten ganz zu schweigen.

Am 27. Oktober 2019 wählt Thüringen. Nach der jüngsten, am 16. September veröffentlichten Infratest-dimap-Umfrage liegt die AfD dort bei 25 Prozent – drei Prozentpunkte vor der CDU. In den zurückliegenden Monaten waren der noch jungen Oppositionspartei, die nun ihr Allzeithoch im grünen Herzen Deutschlands erreicht hat, zwischen 19 und 24 Prozent prognostiziert worden.

Gewaltsame Angriffe auf eine politische Partei sind ein Alarmzeichen. Wie steht es um die Chancengleichheit der Parteien bei der Wahl? Droht das Wesentliche des Willensbildungsprozesses im demokratischen Gemeinwesen, den das Bundesverfassungsgericht als einen Prozess ständiger geistiger Auseinandersetzung beschrieben hat, in Vergessenheit zu geraten? Die relativ richtige politische Linie kommt eben nicht durch Ausschaltung des politischen Gegners zustande, sondern als Resultante und Ausgleich zwischen den im Staat wirksamen politischen Kräften.

UW

Einige der aktuellen Themen in der Ausgabe vom 20. September 2019

WAS DIE BÜRGER UMTREIBT

Seit mehr als 25 Jahren untersuchen Forscher, welche Sorgen und Nöte die Deutschen bewegen. Doch lassen sich Befürchtungen, die eine reale Ursache haben, nicht als „Ängste“ abqualifizieren. Dazu notwendige Anmerkungen.

FAIR UND UMFASSEND?

Ein internationaler Vergleich des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und das gesellschaftliche Meinungsspektrum waren Gegenstand der Befassung des Reuters-Instituts an der Universität Oxford. Die Ergebnisse stellen für ARD, ZDF und Deutschlandfunk kein besonders gutes Zeugnis dar.

BERCOWS SPIEL

Nicht nur Brüssel und die Opposition, auch der scheidende Unterhaussprecher John Bercow agiert immer offener gegen Großbritanniens Premierminister. Die Erfahrungen, die Boris Johnson und zuvor auch Theresa May in Westminster machten, sind ziemlich eindeutig.

ABGANG EINES KRIEGSTREIBERS

Mit John Bolton hat Donald Trump einen außenpolitischen Scharfmacher gefeuert. Der Entlassung ging ein Streit zum Umgang mit den Taliban voraus. Wird die Welt nun sicherer? Bolton steht schließlich für globale „Regimewechsel“, bei denen die Wahl der Mittel eine untergeordnete Rolle spielt, während dem US-Präsidenten zumindest Kriegslust eher fremd zu sein scheint.

GRENZEN DER BELASTBARKEIT

Wenn Polizisten immer wieder dieselben Taschendiebe, Drogendealer oder sonstige Kriminelle erwischen und diese nach wenigen Stunden wieder auf freiem Fuß sind, führt dies zu Frust bei den Beamten, der sich auf verschiedenen Wegen äußert.

CHANCEN UND RISIKEN DER
BLOCKCHAIN-TECHNOLOGIE

Manche Potenziale der Blockchain-Technologie mögen autoritären Staatssystemen verlockend erscheinen, einem freiheitlichen Gemeinwesen stehen dieselben nicht gut zu Gesicht. Was entwickelt wurde, um den Menschen unabhängiger von höheren Instanzen zu machen, würde in sein Gegenteil verkehrt.

RECHENFEHLER MIT FOLGEN

Ausgerechnet vor dem Jubiläum „100 Jahre Grundschule“ veröffentlichten Bildungsforscher eine Analyse, der zufolge sich die Kultusministerkonferenz erheblich vertan hat bei der Berechnung der voraussichtlichen Schülerzahlen bis zum Jahr 2030. Der Lehrermangel ist daher deutlich schlimmer als befürchtet.

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